
Der neuer Bezirksvorstand mit Monika Linsmeier, 1. v. r., Rüdiger Kindermann 2. v. r. und Caroline Töpperwien, 4. v. r. - Foto: Hubert Keller
Dingolfing - pm (28.10.2026) Bei der 7. Bezirkskonferenz des ver.di-Bezirks Niederbayern in der Stadthalle Dingolfing wurde am Samstag von den anwesenden Delegierten ein neuer Bezirksvorstand gewählt und die Weichen für die kommenden vier Jahre gestellt. Insgesamt nahmen rund 100 Personen an der Konferenz teil, die neben den Organisationswahlen vor allem von deutlichen politischen Botschaften an die Bundesregierung geprägt war.
Neuer Bezirksvorsitzender ist Rüdiger Kindermann vom Klinikum Passau, zu seiner Stellvertreterin wurde Caroline Töpperwien von den LA-Regio Kliniken gewählt. Sie stehen nun einem neuen bezirklichen Gremium aus den ver.di-Fachbereichen, Personengruppen und sechs niederbayerischen Ortsvereinen vor. Ein besonderer Dank galt den ausscheidenden Mitgliedern des Bezirksvorstands, die für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement und ihren Einsatz für die Interessen der Beschäftigten gewürdigt und feierlich verabschiedet wurden. Grußworte an die Versammlung richteten Dingolfings Bürgermeister Valentin Walk und DGB-Regionsgeschäftsführer Andreas Schmal. Bezirksgeschäftsführerin Monika Linsmeier und ihr neuer Stellvertreter Christoph Kittel begleiteten mit ihrem hauptamtlichen Team die Konferenz, die neben der personellen Neuaufstellung auch Gelegenheit bot, auf die gewerkschaftliche Arbeit der vergangenen vier Jahre zurückzublicken.
Sinan Öztürk: „Die Bundesregierung kann so nicht weitermachen!“
In seiner Hauptrede nahm Sinan Öztürk, stellvertretender Landesbezirksleiter von ver.di Bayern, die Bundesregierung in die Pflicht. Angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen brauche Deutschland endlich Reformen, die tatsächlich etwas zum Positiven verändern und auch bei den Menschen ankommen. Kaputtsparen von Daseinsvorsorge und Sozialstaat, sowie Abbau von Arbeitnehmerrechten helfen nicht bei den wirtschaftlichen Problemen und seien der völlig falsche Weg.
Öztürk verwies auf den großen Unmut unter Beschäftigten, Rentnerinnen und Rentnern sowie Familien. Viele Menschen hätten den Eindruck, dass die Lasten der Krisen einseitig auf ihnen abgeladen würden ohne entsprechend starke Schultern heranzuziehen. Die DGB-organisierten Proteste vom 26. September seien deshalb ein erstes Signal gewesen: Sollte die Bundesregierung nicht endlich gegensteuern und sozial gerechte Reformen auf den Weg bringen, müsse sie mit weiterem gewerkschaftlichem Widerstand rechnen.
Gemeinsame Resolution: Fünf Forderungen an die Politik
Ein deutliches politisches Signal setzte daraufhin auch die Bezirkskonferenz mit der gemeinsamen Resolution „Daseinsvorsorge weiterentwickeln, Sozialstaat erhalten und Arbeitnehmendenrechte schützen!“. Darin formuliert ver.di Niederbayern fünf zentrale Forderungen:
- Respekt gegenüber den Menschen – Sozialstaat erhalten! Eine auskömmliche gesetzliche Rente, solidarische Pflege- und Krankenversicherung sowie verlässliche Unterstützung für Familien, Kinder und Menschen mit Behinderung.
- Gegen die Krisen – In Daseinsvorsorge investieren! Ein leistungsfähiger öffentlicher Dienst, ausreichend Personal und finanziell gut ausgestattete Kommunen statt pauschaler Kürzungen.
- Die Finanzierung des Gemeinwesens gerecht gestalten! Große Vermögen, hohe Erbschaften und Spitzeneinkommen müssen stärker zur Finanzierung beitragen. Der Bund muss seine Verpflichtungen gegenüber den Sozialversicherungen erfüllen.
- Arbeitnehmendenrechte schützen und Tarifbindung ausbauen! Keine Aufweichung des Achtstundentages oder des Kündigungsschutzes, sondern mehr Tarifbindung, Mitbestimmung und existenzsichernde Löhne.
- Reformen gemeinsam mit den Betroffenen gestalten! Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte sowie Sozialverbände müssen bei grundlegenden Reformen ernsthaft beteiligt werden.
Mit ihrer Resolution machten die Delegierten deutlich, dass sie die Notwendigkeit von Reformen ausdrücklich anerkennen. Diese dürften jedoch nicht einseitig zulasten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Rentnern, Familien oder sozial benachteiligten Menschen gehen. Die Bezirkskonferenz sieht die Bundesregierung in der Verantwortung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Sozialstaats zu stärken.

