
v.li.: Einrichtungsleiter Christian Schwarz, MdB Marlene Schönberger, Stadtrat Martin Lippl
Zwiesel - pm (28.07.2026) Wie gelingt gute Jugendarbeit und was bewegt junge Menschen heute? Darüber informierte sich die Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger (Die Grünen) bei einem Besuch im Jugendcafé Kaff in Zwiesel. Gemeinsam mit dem Zwieseler Grünen-Stadtrat Martin Lippl sprach sie mit Einrichtungsleiter Christian Schwarz über die Arbeit der Einrichtung, die Lebensrealität junger Menschen und die Herausforderungen der offenen Jugendarbeit.
Seit inzwischen 41 Jahren ist das Jugendcafé Kaff ein fester Bestandteil der Jugendarbeit in Zwiesel und der Region. Insbesondere durch seine regelmäßig stattfindenden Konzerte mit internationalen Bands hat sich die Einrichtung weit über die Region hinaus einen Namen gemacht und wurde bereits sechs Mal mit Kulturpreisen ausgezeichnet. Im offenen Betrieb können Jugendliche den Treffpunkt nicht nur selbstbestimmt nutzen und eigene Ideen einbringen: Sie organisieren Konzerte und Kulturveranstaltungen weitgehend eigenständig, übernehmen Thekendienste und gestalten zahlreiche Bereiche des Cafébetriebs aktiv mit.
„Das Jugendcafé lebt vom Engagement seiner Besucherinnen und Besucher. Die Jugendlichen bringen sich mit großem Einsatz ein und erwerben dabei wichtige soziale, organisatorische und demokratische Kompetenzen“, erklärte Sozialpädagoge Christian Schwarz. Durch die eigenständige Mitarbeit der Jugendlichen bleibe ihm mehr Zeit für persönliche Gespräche und psychosoziale Beratung. „Durch meine langjährige Arbeit im Jugendcafé ist viel Vertrauen entstanden. Die Jugendlichen wissen, dass sie sich mit ihren Fragen, Sorgen und Problemen an mich wenden können. Diese verlässliche Beziehung ist eine wichtige Grundlage gelingender Jugendarbeit“, so Schwarz.
Besonders beeindruckt zeigte sich Schönberger von den vielfältigen Aufgaben, die die Jugendlichen selbst übernehmen. Von der Kalkulation über Booking und Korrespondenz – auch in Fremdsprachen – bis hin zu Werbung und Veranstaltungsplanung gestalten sie das kulturelle Angebot des Jugendcafés maßgeblich mit. „Das Jugendcafé Zwiesel ist ein Leuchtturm der Jugendzentren in Niederbayern“, sagte Schönberger. „Hier lernen junge Menschen, selbst Verantwortung zu tragen, im Team zu arbeiten und Kultur aktiv mitzugestalten. Das zeigt, wie wichtig offene Jugendarbeit für unsere Gesellschaft und unsere Demokratie ist.“
Auch die gesellschaftliche Stimmung war Thema des Gesprächs. Schwarz berichtete, dass sich die Auswirkungen des politischen Rechtsrucks im Alltag der Einrichtung bislang nur vereinzelt bemerkbar machten. Gleichzeitig beobachte er, dass Jugendliche mit progressiven politischen Positionen häufiger Anfeindungen ausgesetzt seien und sich gesellschaftliche Debatten zunehmend polarisierten.
Für Marlene Schönberger ist das Jugendcafé ein unverzichtbarer Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in Zwiesel: „Dass junge Menschen hier mit ihrem Engagement weit über die Stadt hinauswirken, verdient höchste Anerkennung. Das Jugendcafé ist ein echtes Aushängeschild für Zwiesel. Orte wie dieser sind gerade im ländlichen Raum essenziell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Es ist die Aufgabe politisch Verantwortlicher auf allen Ebenen, ihren Fortbestand zu sichern – gerade in Zeiten knapper öffentlicher Haushalte.“

