
v. l.: Stephan Steinberger, MdL Ruth Müller und Helmut Friedl - Foto: Rosa Kreutz
Bayern – pm (03.08.2026) Wie kann der Zuckerrübenanbau in Bayern auch künftig wirtschaftlich und wettbewerbsfähig bleiben? Diese zentrale Frage erörterte die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Müller, in einem Gespräch mit dem Vorsitzenden des Verbands Bayerischer Zuckerrübenanbauer, Helmut Friedl, sowie dem Geschäftsführer des Erzeugerrings, Stephan Steinberger, am Verbandsstandort Barbing.
Themen waren unter anderem die angespannte Lage am europäischen Zuckermarkt, neue Pflanzenkrankheiten wie SBR und Stolbur, die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade sowie neue Ansätze für eine effizientere Rübenlogistik.
Besonders deutlich wurde dabei, dass der europäische Zuckermarkt zunehmend unter Druck gerät. Sinkende Zuckerpreise, hohe Lagerbestände, Importkonkurrenz sowie Unsicherheiten durch künftige Handelsabkommen und die Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik erschweren den Betrieben eine verlässliche Planung. „Wenn bei überfüllten EU- Zuckermärkten auch noch die Tore für zollfreie Importware aus aller Herren Länder geöffnet werden, zerstört das bei den Bauern die Glaubwürdigkeit der heimischen Politik“ stellt Friedl das Dilemma der derzeitigen Situation dar. Gleichzeitig greifen die bisherigen Kriseninstrumente der EU oftmals erst dann, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Das hat Folgen für die Anbauflächen: Allein innerhalb der Südzucker-Gruppe beträgt die Flächenreduktion gegenüber dem Vorjahr über 20 Prozent. Auch in Bayern wurde die Anbaufläche deutlich reduziert.
„Unsere Rübenanbauer brauchen keine Politik, die erst reagiert, wenn die Krise längst da ist. Wir brauchen Frühwarnsysteme und Instrumente, die Marktverwerfungen rechtzeitig erkennen und gegensteuern. Nur so schaffen wir Planungssicherheit für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe und sichern die regionale Zuckerproduktion“, betont Müller.
Aus dem Gespräch heraus hat die Agrarpolitikerin einen Antrag in den Bayerischen Landtag eingebracht, der sich für eine Weiterentwicklung der Gemeinsamen Marktordnung einsetzt. Ziel ist es, den europäischen Zuckermarkt krisenfester zu machen, Marktstörungen frühzeitig zu erkennen und die heimische Wertschöpfung dauerhaft zu sichern.
Ein weiteres zentrales Thema war die steigende Belastung durch Transportkosten. Höhere Dieselpreise, die Lkw-Maut und der Fahrermangel treffen insbesondere saisonale Transporte wie die Anfang September startende Rübenkampagne. Müller setzt sich deshalb für einen wissenschaftlich begleiteten Modellversuch ein, bei dem für saisonale Transporte unverarbeiteter landwirtschaftlicher Erzeugnisse ein zulässiges Gesamtgewicht von 44 Tonnen erprobt werden soll. Weniger Fahrten würden nicht nur Kosten senken, sondern auch Kraftstoff und CO₂-Emissionen reduzieren sowie und den bestehenden Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen EU-Staaten, die diese Regelung bereits eingeführt haben, verringern.
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Auch die zunehmende Ausbreitung neuer Pflanzenkrankheiten, wie SBR und Stolbur, beschäftigt die Rübenanbauer. Diese wie auch die eingewanderte Schilf-Glasflügelzikade bedrohen die Qualität und Quantität der Ernte. Müller hatte sich bereits 2024 mit parlamentarischen Initiativen für mehr Forschung sowie wirksame Bekämpfungsstrategien gegen diesen invasiven Schädling eingesetzt. „Die Schilf-Glasflügelzikade zeigt, wie schnell neue Schaderreger ganze Anbauregionen unter Druck setzen können. Forschung, Monitoring und praxistaugliche Bekämpfungsmaßnahmen müssen deshalb deutlich stärker unterstützt werden. Unsere Landwirte dürfen mit diesen Herausforderungen nicht allein gelassen werden“, so Müller.
Die Agrarpolitikerin kündigte an, den engen Austausch mit dem Verband Bayerischer Zuckerrübenanbauer fortzusetzen. „Der Rübenanbau ist ein wichtiger Bestandteil unserer Fruchtfolgen und regionalen Wertschöpfung. Wer Ernährungssicherheit und eine starke heimische Landwirtschaft will, muss den Betrieben auch die richtigen politischen Rahmenbedingungen geben.“

