
Dr. Thomas Haslinger mit Ehefrau Karina und ihren Söhnen, eingerahmt vom respektvollen Applaus durch OB Alexander Putz und Mitbewerber Christoph Rabl. - Fotos: W. Götz
Landshut – gw (23.03.2026) Die Stimmung im Neuen Plenarsaal glich zeitweise einem an Spannung nicht zu übertreffenden Eishockey-Playoff-Duell in der zweiten Verlängerung, in dem es um alles geht. Als kurz nach 18 Uhr die ersten Ergebnisse der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters eingingen, lieferten sich Dr. Thomas Haslinger (CSU) und Christoph Rabl (Grüne) ein denkbar knappes Rennen. Haslinger lag dabei stets an der Pool-Position, doch Rabl kam ihm kurzzeitig auf der Überholspur auf Tuchfühlung nahe.
Als 49 Komma und ein einige Prozentchen für Christoph Rabl auf der Tafel standen, sorgte dies bei allen Beobachtern für ein verblüfftes Staunen, bei einigen für Herzrasen und Schnappatmung. So nahe war in Landshut noch nie ein grüner Kandidat, den Rathausschlüssel in Empfang zu nehmen.

Die Anspannung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. v. l.: Prof. Dr. Thomas Küffner, Helmut Radlmeier, Dr. Wolfgang Götzer und OB Alexander Putz
Erst als die Resultate aus den Briefwahlbezirken mehr und mehr ins Ergebnis eingingen, kristallisierte sich Dr. Thomas Haslinger als Favorit heraus. Exakt um 18.34 Uhr stand fest: Dr. Thomas Haslinger siegt mit 52.5 Prozent vor Christoph Rabl mit 47,5 Prozent. Somit stellt die CSU seit der Ära Hans Rampf wieder den gewählten Oberbürgermeister aus ihren eigenen Reihen. Hans Rampf erhielt bei den Oberbürgermeisterwahlen am 10. Oktober 2010 gegen fünf Mitbewerber im ersten Wahlgang souveräne 61,1 Prozent und damit den Auftrag für seine zweite Amtszeit.
Die Erleichterung war bei den Christsozialen groß mit Blick auf die denkbar knappe Entscheidung der Wähler. Bei den 60 Urnenwahlbezirken lag Christoph Rabl hauchdünn mit 50,1 Prozent vorne. Die 30 Briefwahlbezirke brachten die entscheidende Wende.

Noch herrscht Ungewissheit, ob Christoph Rabl die 50 Prozentmarke knacken kann.
Einen besonderen dicken Stein im Herzen hat Dr. Thomas Haslinger bei den Wählern in der Münchnerau. Im dortigen Wahllokal in der Feuerwache holte der 39-jährige stattlichen 71,5 Prozent. Christoph Rabl konnte als seine Hochburg der Beliebtheit das Wahllokal im Hans-Carossa-Gymnasium mit satten 73,3 Prozent erobern. Die Wähler im Gründerzentrum Link entschieden sich exakt im diplomatischen arithmetischen Mittel. Fifty-Fifty endete dort der Urnengang. Im Wahllokal des Kindergartens Kastanienburg, das als AfD-Hochburg bekannt ist, entschieden sich 69 Prozent der Stimmberechtigten für Dr. Thomas Haslinger.
Die Wahlbeteiligung fiel mit 43.6 Prozent deutlich geringer aus, als bei der Stichwahl zwischen Siegrid Hagl und Alexander Putz vor sechs Jahren, die damals bei 55,8 Prozent lag.

Die Grünen empfingen ihren Kandidaten mit seinen 47,5 Prozent wie einen Sieger in der Trattoria Torretta.
Bei der Wahlparty in der Trattoria Torretta empfingen die Grünen ihren 47,5-Prozent-Stichwahlhelden Christoph Rabl mit einem donnernden Applaus. Die Grünen hatten mit einer „Vier“ als erste Zahl bei den Prozenten gerechnet, aber dass es knapp an die „Fünf“ heran ging, glich für sie schon einem Wunder von Landshut. So auch die Kommentare, die sich in Maximen wie „sensationell“ und „grandios“ überboten.
Mit diesem Resultat richtete Christoph Rabl auch eine klare Botschaft an den Wahlgewinner: „Die CSU muss zeigen, dass sie jetzt ein echter OB für alle Landshuter sein will“ und reichte die Hand, „für die nächsten sechs Jahre die Stadt gemeinsam nachhaltig und lebenswert zu gestalten.“ Mit diesem grünen Ergebnis dankte Christoph Rabl all seinen Helfern und Begleitern im Wahlkampf: „Ihr habt uns zu dem gemacht, was wir heute sind und wie wir in der Stadtpolitik dastehen. Die Wähler haben ein klares Stimmungsbild, auch an die CSU, abgegeben.“

Dr. Thomas Haslingers Wahlsieg wurde ausgiebig gefeiert. Der junge OB könnte theoretisch und mit der Gunst der Wählenden bis 2056 die Geschicke der Stadt Landshut leiten.
„Ab morgen beginnt die Zukunft der Stadt und ich weiß, was es bedeutet, Verantwortung für die Stadt zu übernehmen“, lautete die Botschaft des Wahlgewinners Dr. Thomas Haslinger an seine Parteifreunde bei der Wahlparty im Singerhaus. Der neue gewählte Oberbürgermeister, der offiziell sein Amt am 1. Mai antritt, kündigte an: „Wir werden ein Bündnis mit anderen Parteien bilden und uns dazu auch mit den Grünen unterhalten. Wichtig ist, dass die Handschrift der CSU in der künftigen Stadtpolitik erhalten bleibt.“
Aus dem Stellvertreter wird nun der Oberbürgermeister. Dr. Thomas Haslinger hat seine Dissertation in Philosophie abgelegt. Einer Wissenschaft, die Ethik, Erkenntnistheorie, Metaphysik als die grundlegende Struktur des Seins und Logik in ihren Kernthemen vereint. Alles Eigenschaften, die eine gute und anerkannte Führungsperson auszeichnen.

Um 20.37 Uhr stand es schwarz auf weiß fest, wie der neue Oberbürgermeister heißt.
Beim Thema „Verantwortung übernehmen“ werden nun mit Blick auf die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats in 39 Tagen, am Freitag, 8. Mai, spannende Hintergrundgespräche beginnen. Geht es doch darum, welche Stadträtinnen und Stadträte aus welchen Parteien und Wählergruppierungen in den Ausschüssen und Senaten Verantwortung übernehmen und bis dahin muss sich auch klären, welche zwei Kandidierende zur Wahl der Bürgermeister antreten.
Bei den Bürgermeisterämtern kann erwartet werden, dass die CSU als stärkste Stadtratsfraktion mit 13 Sitzen plus dem Mandat von Neu-JU-Stadtrat Johannes Alfery eines für sich beansprucht. Bereits bei der Wahlparty im Singerhaus waren zwei Namen dazu zu hören: Helmut Radlmeier und Hans-Peter Summer würden nicht „Nein“ sagen. Beide gelten in der CSU als bestens vernetzt und sowohl politisch, als auch ehrenamtlich als sehr engagiert.

Es gab lange bei guten Gesprächen in der CSU-Familie viel Gelegenheit zum Anstoßen und Gratulieren, wie hier mit Helmut Radlmeier.
Das zweite Bürgermeisteramt könnte an die Grünen oder die SPD gehen. Die Genossen hatten intern aufgerufen, sich bei der Stichwahl für Dr. Thomas Haslinger auszusprechen und damit eventuell als das „Zünglein an der Waage“ für dessen Sieg gesorgt. Diese Treue könnte nun einen entscheidenden Pluspunkt bedeuten. Als geschickte Diplomatie wird auch ein Bürgermeisteramt für die Grünen und die SPD gehandelt. Mit dieser Konstellation würden sich einige Oppositionsthemen von selbst erledigen und Oberbürgermeister Dr. Thomas Haslinger und der Stadt Landshut zu wesentlich mehr gemeinsam getragen Beschlüssen verhelfen.
Noch eine weitere Personalie wird derzeit in bestens informierten Kreisen kommuniziert. Scheinbar steht ein Wechsel der neu in den Stadtrat gewählten Sonja Axthaler von den Freien Wählern zur CSU bevor. Spekulativen Gerüchten zufolge könnte es auch sein, dass der ehemalige CSU-Stadtrat und jetzt Freier-Wähler-Stadtrat die Bürger für Landshut (BfL) wieder aufleben lässt. Schnur gehörte bei der ersten Wahl von Hans Rampf zu den Mitbegründern dieser Wählervereinigung.
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