MdL Ruth Müller - Foto: Anita Frischhut
Bayern - pm (13.03.2026) Mehr (junge) Frauen in die Parlamente – das ist eine Herzensangelegenheit von Ruth Müller, der langjährigen frauenpolitischen Sprecherin der SPD im Bayerischen Landtag. Dafür kämpft sie mit regelmäßigen Veranstaltungen, wie dem Frauenempfang in Rottenburg, Diskussionsrunden, der gezielten Einladung von jungen Mädchen in den Bayerischen Landtag oder der Bewerbung der prominenten Kampagne „Bavaria ruft“, die Landtagspräsidentin Ilse Aigner initiiert hat.
Trotzdem ist die Bilanz nach den Kommunalwahlen einmal mehr ernüchternd. „Je ländlicher, desto weniger Frauen“, lautet das traurige Fazit der SPD-Landtagsabgeordneten.
So wird im Marktgemeinderat ihres Heimatortes Pfeffenhausen in den nächsten sechs Jahren neben ihr nur eine einzige weibliche Stimme zu hören sein – bei insgesamt 20 Mitgliedern. In den anderen Landkreisgemeinden sieht es nicht viel besser aus. In Adlkofen, Aham, Baierbach und Schalkham ist jeweils nur eine einzige Frau in den Gemeinderat gewählt worden.
Obwohl in den Kommunalparlamenten insgesamt sogar zwei zusätzliche Mandate zur Verfügung stehen, sinkt die Zahl der Gemeinderätinnen nach den Kommunalwahlen von bislang 131 auf 127. Damit fällt der Frauenanteil von 23,06 Prozent auf nunmehr 22,28 Prozent. „Das heißt, dass nicht einmal jeder vierte Gemeinderat weiblich ist“, so Müller.
Ähnlich ist die Situation in den meisten der niederbayerischen Kreistage: Nur 142 der insgesamt 560 niederbayerischen Mandate sind ab Mai mit Frauen besetzt, was einer Quote von lediglich 25,36 Prozent entspricht. Immerhin liegt hier der Landshuter Kreistag über dem Durchschnitt: 23 der 70 Mandate – und damit eines mehr als bisher - gehen an Frauen, was einem Anteil von 32,86 Prozent entspricht. Schlusslicht in Niederbayern ist der Landkreis Straubing-Bogen mit nur zwölf von 60 Frauen, was einer Quote von 20 Prozent entspricht. Weitere Landkreise im Vergleich: Landkreis Deggendorf: 13 von 60 und damit 21,67%, Landkreise Dingolfing-Landau und Regen: jeweils 14 von 60 und damit 23,33%, Landkreise Freyung-Grafenau und Kelheim: 15 von 60 und damit 25%, Landkreis Passau: 17 von 70 und damit 24,29%, Landkreis Rottal-Inn: 19 von 60 und damit 31,67%. Das Ergebnis spiegelt die Erfahrung wider, die Müller im Wahlkampf machen musste: Wenn an Infoständen Kommentare fallen wie „Frauen haben in der Politik nix verloren“, dann würden selbst ihr die Worte fehlen.
„Die Verluste mögen auf den ersten Blick klein wirken, haben aber eine enorme Wirkung: Wenn Frauen in den Parlamenten fehlen, fehlt auch ein wichtiger Teil der gesellschaftlichen Realität in politischen Entscheidungen und vor allem ein großer Erfahrungsschatz, auf den in den Kommunalparlamenten verzichtet wird“, ist die erfahrene Landtagsabgeordnete überzeugt.
Einen kleinen Lichtblick gibt es aber: In der kommenden Amtsperiode wird es immerhin kein Kommunalparlament im Landkreis Landshut mehr geben, in dem ausschließlich Männer vertreten sind. In der vergangenen Wahlperiode war dies noch in den Gemeinden Obersüßbach, Schalkham und Weihmichl der Fall.
Den höchsten Frauenanteil mit rund 46% weist Vilsbiburg auf, was Ruth Müller, die den Frauenanteil in den kommunalen Gremien seit vielen Jahren verfolgt, nicht wundert: Je größer die Kommune, umso höher der Frauenanteil. Im Landshuter Stadtrat ist der Anteil an Frauen deutlich gestiegen – 17 der 44 Sitze sind ab Mai in weiblicher Hand, vier mehr als bisher, was einem Anteil von 38,64 Prozent entspricht. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in anderen Städten Niederbayerns ab. Sowohl in Passau als auch in Straubing ziehen jeweils drei zusätzliche Frauen in die Stadträte ein.
Was die SPD-Politikerin ebenfalls nicht wundert: Von den Zugewinnen der AfD profitieren die Frauen nicht. So ist die Landshuter Kreistagsfraktion ein reiner Männerclub. „Hier können sich Frauen wohl auch kaum Hoffnungen machen, dass zukunftsgewandte gesellschaftspolitische Themen Unterstützung finden“, stellt Müller fest.
Insgesamt zeigen diese Zahlen für Müller deutlich: Auch mehr als 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sind Frauen in vielen Kommunalparlamenten noch immer deutlich unterrepräsentiert. „Bavaria rief – aber ihr Ruf blieb bei dieser Kommunalwahl ungehört. Dabei brauchen wir gerade auf kommunaler Ebene mehr Frauen, die Verantwortung übernehmen – und Strukturen, die das ermöglichen“, fordert Ruth Müller, die weiter für mehr Frauen in Kommunalparlamenten werben wird.

